Die Kraft der Gedanken

Der Versuch eines Vergleichs und eine Sammlung aus dem, was mir in der Zeit meiner Reise in Indien widerfahren ist.

Schon bevor die Reise begann, war es mir ein Anliegen, mich mit der Kraft der Gedanken intensiver zu beschäftigen – und zwar aus zwei Ebenen und Zugängen heraus.
Das Buch Die Kraft der Gedanken von Swami Sivananda war eines davon, und das Buch Reich geboren werden wir alle von Bob Proctor das zweite.

In beiden Büchern unterwegs zu sein und parallel die Sadhana-Praxis in Rishikesh und Uttarkashi zu erleben und darin einzutauchen, ließ das Ganze zu einem Potpourri werden – und dabei zu beobachten, wie sich alles lehrt und entfaltet.

Ein bisschen nehme ich dich hier mit auf meine Suche und einige Gedankenabrisse. Ob es gelingt? Das darfst du beurteilen – wenn du urteilen magst.

An Dinge zu glauben, die man sehen und berühren kann, ist kein Glaube. Aber an das Unsichtbare zu glauben, ist Triumph und Segen zugleich.

Bereits beim Hinflug habe ich meinen Ohren acht Stunden Kirtan gegeben, von Krishna Das – und das macht schon etwas, das spürt man.
Wenn man einen Schritt zurücktritt und in die Selbstbeobachtung geht, merkt man, dass jede Art von „Food“ – physisch, emotional, spirituell – etwas im Körpersystem bewirkt.

Dabei liegt es in unserer Macht auszuwählen:
Was gebe ich mir?
Wo gehe ich hin?
Tut mir das gut?
Entspricht es meinen Absichten?

Sich immer wieder vom inneren Klang leiten lassen und hinspüren, was ist. Sich nicht vom Rauschen ablenken lassen. Und von diesem Rauschen sind wir oft umgeben.

Was dabei passiert, ist Reinigung – die uns situationsbedingtes Handeln leichter macht. Egal, was passiert: Wir haben immer die Wahl der Reaktion. Alles ist immer Aktion und Reaktion.

In Indien gelingt es mir im Laufe der Zeit leichter, ruhiger und stiller zu werden. Am Schluss blieb noch das Rauschen des Ganges – und auch das war schon so vertraut, dass es nicht störte. Gar nicht.

Swami Premananda hat jeden Tag mit seinen Lectures eingeladen, das „Food“ zu genießen und keine Fragen hineinzulegen. Letztlich, um die Realität und die absolute Stille zu erkennen – diesen Blick dahinter, hinter die Schleier.

Die Welt bittet uns um eines: Bewegung.
Bewege dich nicht. Sprich nicht.
Die Wahrheit wird sich dir enthüllen.

Und dann kommt sie, die Frage:
Wie bitte?

Die Tools nutzen, die uns gegeben sind. Auf dem Yogaweg sind das nicht wenige. In diesem Zusammenhang hatte ich für neun Tage meinen intensiven Iyengar-Kurs mit Usha Devi – wie seit über zehn Jahren.

Immer eine große Challenge für mich. Es bringt mich an meine Grenzen, und ich gehe immer wieder ein Stück über diese hinaus. Warum? Weil der Geist einfach faul ist und mir einredet, Entspannung wäre wirklich besser.

Dabei geht es auch darum, sich in der Anstrengung zu entspannen. Das gelingt nicht immer. Und doch – unter ihren Anleitungen wird es leichter.

Ja, manchmal mag ich nicht mehr und möchte die nächste Einheit auslassen. Beobachtet man dieses innere Spiel, wird klarer, wer da dazwischenredet. Und es wird einfacher zu lächeln und trotzdem loszugehen, sich der Herausforderung zu stellen.

Mit anderen Worten: Auch die Asanas sind letztlich fest mit der Gedankenkraft verbunden. Wähle ich diesen Zugang, beeinflusst das auch meine Art zu reagieren – auf anderen Ebenen und in anderen Lebensbereichen.

Den Kopf leer machen, wie auch immer.

Wozu das Ganze?

Man geht nur los, wenn man hungrig ist. Sonst könnte man auch irgendwo anders sein und seine Zeit dort verbringen.

Es ist eine Art von Selbstliebe erforderlich – die wir im Yoga Atmari nennen. Eine absichtslose Art des Seins, wie ein spielendes Kind. Immer auf der Suche nach Präsenz.

Denn eigentlich ist es die Abwesenheit, die präsent ist. Paradox.

Die Präsenz ist unter fünf Decken verborgen. Die Abwesenheit ist nur da, weil das Bewusstsein nicht präsent ist. Präsenz ist immer eins.

Die fünf Hüllen möchte ich kurz erwähnen:

  • Annamaya Kosha – der physische Körper
  • Pranamaya Kosha – Energiehülle, Prana und Atem
  • Manomaya Kosha – mentale Hülle mit Geist, Emotionen und sensorischen Aktionen
  • Vijnanamaya Kosha – Weisheitshülle, Intellekt und Unterscheidungskraft
  • Anandamaya Kosha – das Selbst, Ananda – die Wonne

Alles, was zu dir kommt – akzeptiere es. Alles, was kommt, ist eine Folge deiner eigenen Aktionen.

Dabei gibt es – aus dieser Perspektive – kein Gut oder Schlecht.

Alles, was du innerlich denkst, kommt in deine Außenwelt. Wie oft denken wir, innen und außen wären unterschiedlich und keiner sieht es oder weiß es. Aber das ist nicht möglich.

Innen und außen sind nicht unterschiedlich.

Was auch immer du denkst und glaubst – das bist du. Es ist deine Wahl.

Den Worten lauschen, zu Füßen des Guru sitzen und leer werden.

Stop, not go.
Oder: stop not – go.
Eine Frage der Entscheidung oder des Kommas.

Wir wiederholen ständig. Wiederholung ist Natur. Und alles, was du jetzt nicht schaffst – entspann dich. Du machst einfach weiter. Das nächste Leben kommt.

Alles ist möglich in Maya. Alles, was du denkst, dass es richtig ist, wird eintreten – und ist für dich.

Praxisbezogen bedeutet das was?

Die Kraft der Gedanken ist der Beginn. Es beginnt damit, bevor sich etwas manifestiert. Und das inkludiert ein riesiges Potential.

Wir sind die Handelnden.

Wir sind alle in einem unausgeglichenen Status. Das Limit des Unlimitierten ist nicht sichtbar – damit gibt es kein Ende.

Was bedeutet es, der mentale Architekt des eigenen Schicksals zu sein? Welche Kraft und welches Potential steckt in jedem von uns?

Was kann ich mir ausmalen?
Was stelle ich mir vor?
Wer bin ich?
Was darf ich haben?
Was kann ich bewirken?

Womit macht mein Sein einen Unterschied für andere?

Visionen und Gedankenbilder brauchen Durchhaltevermögen und Disziplin. Das alte Denken hat mich zu dem Punkt im Hier und Jetzt gebracht.

Bin ich bereit, damit im Unrecht zu sein – und es zu transformieren?

Bin ich mutig genug, dafür loszugehen?

Mut wird belohnt.

„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, so hat es Bob Proctor formuliert.

Und Swami Sivananda sagt dazu:
Wenn du einen Schritt in Richtung Gott machst, macht er zehn Schritte in deine Richtung.

Wir sollten dieses Prinzip anerkennen und an unsere eigenen Möglichkeiten glauben. Uns der schöpferischen Kraft bewusst werden – positiv, strahlend, kraftvoll und selbstständig.

Sich zu dem entwickeln, was man denkt.

Ein weiteres Gesetz ist das der Schwingung und Anziehung. Dabei gilt, dass jede Idee – so Proctor, der hier Carnegie zitiert – die der Verstand festhält, sei sie gefürchtet oder willkommen, sich umgehend in die angemessenste physische Form kleidet.

Gedanken sind Wesen.

Es gibt verschiedene Zugänge zur Gedankenkontrolle. Beispielsweise empfiehlt Swami Sivananda, die Zusammenarbeit zu verweigern.

Das bedeutet: Schaue an, was auftaucht, was dein Geist dir anbietet – und entscheide bewusst, nicht mitzuspielen.

Du machst einen Plan, und sofort fallen dir tausend Gründe ein, ihn jetzt nicht umzusetzen. Beobachtest du diese Gedanken weiter, merkst du, dass die Widerstände dünner werden.

Bis schließlich der neue Gedanke, die neue Gewohnheit, wirklich Fuß fasst.

Er kann dir dann mehr und mehr dienen.

Und ja – es wird immer wieder etwas Neues auftauchen. Aber wenn du einmal erfolgreich mit dieser Praxis warst, wird es leichter.

Sortiere schlechte Früchte aus – egal auf welcher Ebene.

Mut triumphiert über Furcht.
Geduld über Zorn und Gereiztheit.
Liebe über Hass.

Sivananda empfiehlt außerdem, unnötiges Reden und Tratsch zu meiden und sich dem Studium der Schriften zu widmen – etwa der Gita, den Upanishaden oder dem Yoga Vashishta.

Be good, do good. So simple und so umfassend – die Essenz.

Die Tools, die mir in Indien zur Verfügung standen, habe ich – soweit es in meiner Kraft lag – genutzt.

Und was diesmal wirklich leicht war: das tägliche Bad in Mother Ganga.

Dieses Wasser ist mit der Kraft der Berge angereichert. Vom Gletscher gespeist, voller Mineralien, schimmernd – reinste heilsame Medizin.

Alles wird mitgenommen, davongetragen.

Der Fluss fließt.

Nie bin ich zweimal in denselben Fluss gestiegen.

Das Leben als Entwicklung und Prozess.

Diese tägliche Routine hat mir etwas gegeben, das schwer in Worte zu fassen ist.

Und nebenbei: die beste Haarspülung ever.

Am Morgen werden eineinhalb Stunden lang gemeinsam die Upanishaden rezitiert.

Durch die vielen Jahre ist mir der Wert dieses Tagesablaufs unglaublich kostbar geworden. Es ist ein tiefes Bedürfnis, daran teilzunehmen.

Ich spüre die Wirkung sofort – und die Gnade, dort zu sein, ist unermesslich.

Das Unwandelbare im Wandelbaren erkennen.

Es ist immer und überall da.

Am leichtesten gelingt der Zugang über Meditation. Wenn alles wegfällt, tauchen diese Momente auf.

Dranbleiben. Auch das ist ein Prozess.

Am Rückweg durfte ich noch eine Nacht in Rishikesh verbringen. Die Hitze und Lautstärke haben mich fast überfordert.

Und gleichzeitig durfte ich Teil eines wunderbaren Hanuman Arati sein.

Die zufällige Entdeckung dieses kleinen, besonderen Ashrams mit seiner klaren, fokussierten Praxis hat mich sehr berührt.

Dankbarkeit – auch dafür.

Und vielleicht ist genau das auch das Geschenk solcher Reisen:
dass sie etwas in uns erinnern, das wir im Alltag manchmal überhören.

Manche Menschen spüren nach solchen Geschichten den leisen Wunsch, diesen Ort selbst einmal zu erleben – den Ganges zu sehen, die Praxis in einem Ashram zu erfahren, oder einfach eine Zeit lang in diese besondere Atmosphäre einzutauchen.

Im kommenden Herbst werde ich wieder zur Quelle des Ganges reisen – dorthin, wo der Fluss noch jung ist und aus den Gletschern des Himalaya entsteht.
Und im nächsten Frühjahr plane ich erneut eine Zeit in Rishikesh.

Wenn dich diese Gedanken berühren und du das Gefühl hast, dass dich dieser Weg ruft, dann melde dich gern bei mir. Vielleicht gehen wir ein Stück dieser Reise gemeinsam.

Manchmal beginnt alles mit einem Gedanken. Und manchmal führt genau dieser Gedanke an Orte, die das Herz lange in Erinnerung behält.

Zum Schluss möchte ich noch Danke sagen.
Allen Menschen, die diese Reise möglich gemacht haben, die mich begleitet, inspiriert oder auf ihre Weise unterstützt haben – vor Ort und auch aus der Ferne.

Solche Wege geht man nie ganz allein.

Mein besondererer Dank gilt Anett, Gitti, Sumit, Swami Premananda, Swami Shivashankaranada, Swami Yatidharmananda, SuryaJi, Noel, Nils.

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