Zen & Wandern (2020)

Bereits das dritte Jahr in Folge führt mich mein Weg im August ins Lesachtal nach Maria Luggau ins Kloster. Eine Woche sein in Stille mit 24 anderen Menschen, von denen ich inzwischen einige schon kenne bzw. erkenne. Etwas zögerlich gestaltete sich meine Anreise, da ich nicht wirklich wusste, ob ich mir diese Anstrengung des Wanderns diesen Sommer zu trauen sollte. Entschied mich dann dafür hinzufahren und täglich zu entscheiden, was geht und was nicht geht. Letztlich war ich überrascht, dass ich selbst bei keiner guten Basis-Kondition ausreichend fit war, um mit Leichtigkeit jeden Tag erneut kraftvoll loszugehen. Es hat mich getragen. Hatte ich doch vorbereitend seid Wochen gesundheitsbedingt „nur“ Beinübungen und Schwimmen praktizieren können. Souverän leitete Christoph Singer unsere Gruppe und es war allein schon erholsam, sich um nichts kümmern zu müssen. Atmen – Ja. Achtsamkeit Schritt für Schritt – Ja. Alles andere haben Christoph und sein Team hinter der „Kulisse“ bewirkt.

„Langsam, langsam Schnecke auf zum Fuji“, das japanische HAIKU innerlich zu rezitieren half, wenn es mal schwieriger war voran zu kommen.

Wir hatten absolutes Wetter–Glück!

Die ersten beiden Tage waren nachmittäglich noch von Gewittern geprägt und wir kamen jeweils knapp davor – aber eben davor – wieder im Kloster an. Die Glocken werden dort bei Gewitter geläutet, eine Tradition, der ich nie zuvor begegnet bin. Dieses Tal ist von einer besonderen Frömmigkeit geprägt, die sich in einer großen Naturverbundenheit ausdrückt.

Jeden Morgen begann unser Tag mit der Glocke, die durch die Gänge des Klosters erklang. 5 Uhr hieß es aufstehen, und 5.30 trafen wir uns im Innenhof, um schnelles Gehen zu üben. Dem folgten 2 Einheiten stilles Sitzen, dazwischen langsames, ganz langsames Gehen, ehe es – wie die ganze Woche schweigend -zum Frühstück ging. Coronabedingt war unser Zendo verlagert in einen der Gänge des Klosters und wir saßen jeweils zur Wand gerichtet, um in unsere Praxis einzutauchen. Es war eine gute Lösung und ohne Schwierigkeiten oder Umständlichkeiten ergab sich ganz natürlich ein Abstand.

Unsere Wanderungen führten uns in die nähere Umgebung Samalm, Schwalbenkofel und Luggauer Böden.

Der Sommer nahm nochmal richtig zu und die Temperaturen kletterten in Richtung 28°C; damit starteten wir wir am Tag bereits 6.30 gen Obstanser See. Ausgehend von Kartitsch geht man weit ins Tal hinein, langsam stetig bergauf, ehe eine steiler Aufstieg mit vielen Treppen zu bewältigen ist. Früh genug dort und Schritt für Schritt bewältigte die ganze Gruppe den Aufstieg scheinbar mühelos. Ein wunderbarer Boden breitete sich vor uns aus, ehe der nächste Anstieg bis zum See erklommen werden wollte.

Auf dem Plateaus angekommen, ausruhen, picknicken, meditieren, Zeit für Dich, Zeit weiter zu gehen, Zeit zu baden in eiskaltem klarem Bergwasser, Innehalten, Stille, Schauen, Einatmen und Danken. Pure Freude am Sein spüren und ALLES als ein grosses Wunder betrachten.

Auch am letzten Tag war baden die erstrebenswerte Option beim Gehen für mich, beginnend in Leiten hinauf zu den Stucken-Seen. Idyllisch gelegen und neben viel Almvieh auch ganz viel Superfood drumherum – Heidelbeeren. Herrlich! Ein guter Abschluss, ehe wir am Nachmittag zurück – mit dem Bus – zum Kloster fuhren und der Abend am Lagerfeuer vorbereitet wurde. Das Brechen des Schweigens rückte näher und es fühlte sich so vollkommen an mit sich zu sein. Ganz bei sich. Ganz sicher – das nehm ich mit – die Freiheit sich selbst zu vergessen und dennoch ganz bei sich zu sein. Ein Auflösen ohne zu verschwinden, ein Berühren ohne zu berühren.

Danke an alle die dabei waren, Danke an Christoph, Kurt und Gudrun im besonderen.

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